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Fachtexte – wo ist was zu finden?

Fachkräfte wie Studierende, Lehrende, Multiplikatorinnen oder Multiplikatoren stehen häufig vor der Herausforderung, Studien lesen und die wichtigsten Informationen herausfiltern zu müssen. Wer weiß, wie Publikationen aufgebaut sind, kann sich leichter im Text orientieren und Ergebnisse rascher finden.

Forschende veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit in einem Fachartikel, auch „Paper“ genannt. Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Publikation, die bei einem der vielen Wissenschaftsverlage weltweit erfolgt ist. Um Studienergebnisse richtig einzuschätzen, müssen Lesende das Design, die Durchführung, die Analyse und die Interpretation der Studie nachvollziehen können. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die Autorinnen und Autoren ihre Methoden vollständig transparent machen. Für die Erstellung klinischer Publikationen gibt es daher bestimmte Richtlinien, die sicherstellen, dass alle Aspekte, die für die Darstellung bzw. für das Verständnis der Studie relevant sind, auch in der Publikation zu finden sind. Eine der Richtlinien ist das sogenannte CONSORT Statement (engl. Consolidated Standards of Reporting Trials). Es gibt die Vorgaben dazu, in welchen Abschnitten welche Informationen angegeben werden müssen.

Wissenswert

Als weiteres Kriterium für die Qualität von Veröffentlichungen wird häufig der Impact Factor (IF) herangezogen: Diese Zahl dient dem Vergleich verschiedener Zeitschriften und gibt an, wie häufig Artikel eines wissenschaftlichen Journales durchschnittlich pro Jahr in anderen Fachzeitschriften zitiert werden. Obwohl sie keine direkte Aussage zur Qualität einzelner Texte liefert, kann sie bei einer ersten Recherche hilfreich sein.

Tab. 1: Aufbau von Publikationen

Publikationsabschnitt

Inhalt

Titel und Zusammenfassung

  • Titel soll die Studie eindeutig in ihrer Form identifizieren
  • Strukturierte Zusammenfassung von Studiendesign, Methoden, Resultaten und Schlussfolgerung

Einleitung

  • Wissenschaftlicher Hintergrund und aktueller Forschungsstand
  • Bedarf für weitere Untersuchungen
  • Formulierung der Studienhypothese und Fragestellungen, die beantwortet werden sollen

Material und Methoden

  • Einzelheiten des Studiendesigns
  • Studienteilnehmende (Anzahl, charakteristische Eigenschaften, Ein­ und Ausschlusskriterien)
  • Studienort und –dauer
  • Geplante Untersuchungsmethoden
  • Falls vorhanden: Zuteilung der Probanden in die Gruppen (z. B. Randomisierung)
  • Statistische Analyseverfahren
  • Genaue Zielkriterien und Endpunkte

Randomisierung

  • Beschreibung der Zuteilung und Schritte, um Informationen geheim zu halten
  • Falls die Interventionszuordnung verblindet war: Wer waren die verantwortlichen Personen?
  • Statistische Verfahren

Ergebnisse

  • Zusammenfassung der Ergebnisse der statistischen Analysen
  • Anzahl der gesamten und ausgewerteten Probanden für jede Behandlungsgruppe
  • Zeitraum der Studienaufnahme der Probanden und der Nachbeobachtung
  • Probandencharakteristika zu Studienbeginn (z. B. demografische und klinische Charakteristika)
  • Resultate für jede untersuchte Gruppe sowie geschätzte Wirkungsgrößen und Präzision der Ergebnisse (z. B. 95 %-Konfidenzintervall)
  • Daten in Form von Tabellen und grafischen Darstellungen
  • Zusätzliche Tests oder Auswertungen
  • Unerwünschte Wirkungen oder Nebenwirkungen

Diskussion

  • Interpretation der Ergebnisse im Kontext der Ergebnisse anderer Studien
  • Kritische Bewertung der Befunde
  • Anwendungsgrenzen (z. B. möglicher Bias oder Ungenauigkeiten)
  • Aussagekraft und Verwertbarkeit der Ergebnisse
  • Bewertung der Evidenz (allgemeine Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes und anderer Publikationen zur untersuchten Fragestellung)

Andere Informationen

  • Registriernummer und Name der Studie
  • Wo auf das angewandte Protokoll zugegriffen werden kann
  • Finanzierungsträger und Informationen zu den Fördergebern

Quelle: mod. nach CONSORT

Wissenswert

Wissenschaftliche Ausdrücke wie Randomisierung, Bias oder Verblindung sind nicht jedem ein Begriff. Wir haben ausgewählte wissenschaftliche Grundbegriffe zusammengetragen und erklärt.

Literaturverzeichnis

Weiß C: Studien richtig lesen und verstehen. Weiterbildung 3 (2018).

CONSORT: CONSORT 2010 Statement: updated guidelines for reporting parallel group randomised trials. https://www.equator-network.org/reporting-guidelines/consort/ (Zugriff: 05.02.2025).